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Klein? Aber oho! Hallein als Teil der Kleinen Historischen Städte

Habt ihr schon einmal von den Kleinen Historischen Städten gehört? Das sind 16 Städte, verteilt über ganz Österreich, die eines gemeinsam haben: ein gewachsenes, geschlossenes Stadtbild, eingebettet in besondere Naturlandschaften, mit denkmalgeschützten Bauten, die genutzter Alltag sind und keine museale Hülle. Hallein ist eine davon. Kommt mit auf einen Spaziergang zwischen Vergangenheit und Zukunft!
Wer Hallein verstehen möchte, fängt am Besten ganz oben an: Am Dürrnberg. Stolz thront er über Hallein und hat diese Stadt geformt wie kaum etwas sonst. Vor rund 2.600 Jahren wurde dort oben mit dem Salzabbau begonnen – zuerst von den Kelten, dann im Auftrag der Erzbischöfe. Das Salz zog weit gereiste Händler an, die sich hier niederließen und aus Hallein nach und nach eine Stadt gemacht haben, die schon immer mehr war als ihre Größe vermuten lässt.
Die Kelten und ihr Berg
Im Keltenmuseum spürt man das noch heute, etwa, wenn man vor der berühmten Schnabelkanne vom Dürrnberg steht. Sie wurde etwa 400 v. Chr. aus Bronze gefertigt und so fein gearbeitet, dass man unwillkürlich näher herantritt. Fabelwesen und Dämonen ranken sich um das Metall. Ein Zeugnis aus einer Zeit, die man sich kaum vorstellen kann, und die einem hier trotzdem ganz nah vorkommt. Wer tiefer in vergangene Welten eintauchen will, fährt hinauf zum Keltendorf Salina am Dürrnberg. Hier kann man sich in die Zeit der Kelten zurückversetzen und mehr über das wertvolle „Gold“ erfahren, das die Region seit Jahrhunderten prägt. Es gibt unter anderem rekonstruierte Hütten, originalgetreue Einrichtungen und ein Hügelgrab von anno dazumal. In der Salz-Manufaktur und auf dem Themenspielplatz wird auf spielerische Weise das keltische Erbe des Salzabbaus aufgezeigt. Geschichte, die man mit Händen greifen kann – auch für Kinder ein Erlebnis, das lange nachwirkt. Und wer noch tiefer in den Berg will, fährt in die Salzwelten: Seit 1617 fahren Gäste in die kilometerlangen Stollen, wo früher das Salz abgebaut wurde, dass die Region reich machte. Heute verzaubern die Salzwelten Salzburg ihre Besucher unter dem Titel „The White Gold Adventure“ und laden sie ein auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte des Salzabbaus.
Die Salzwelten sind der älteste Tourismusbetrieb der Region.
Ganz schön schräg
Im September verwandelt sich die alte Saline auf der Pernerinsel in einen Treffpunkt für Kreative aus aller Welt – in einem Gebäude, in dem bis 1989 noch Salz verarbeitet wurde. Die Schmiede Hallein heißt dieses Festival, und wer einmal dabei war, versteht, warum es jedes Jahr mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Alte Saline nebenan wird heute mit den Salzburger Festspiele von einer der bedeutendsten Festivals der Welt bespielt. Und nur wenige Minuten vom Marktplatz entfernt steht das Mesnerhaus – heute das Stille Nacht Museum, in dem Franz Xaver Gruber 28 Jahre lang lebte, Orgel spielte und das bekannteste Weihnachtslied der Welt miterfand. Hallein macht kein großes Aufhebens darum.
So ist Hallein eben einfach: Immer ein bisserl anders, immer ein bisserl schräg – aber im besten Sinne.
Weltoffene Kulinarik
Dass Hallein schon früh (und nachhaltig) mit anderen Kulturen in Kontakt kam, schmeckt und genießt man bis heute. Italienisch, spanisch, Balkanküche, asiatisch – die Küchen der Altstadt spiegeln das kulinarische Ergebnis von Jahrhunderten wider, in denen Menschen aus verschiedenen Flecken der Erde hier durchkamen. Bodenständiger geht es da schon am Grünmarkt am Bayrhamerplatz zu, wo regionale Produzenten ihre Köstlichkeiten feilbieten. Wer früh genug da ist, findet die besten Stücke – der Markt beginnt um 6 Uhr früh. Zum Feierabend gehört für viele ein gepflegtes Bier (mit oder ohne Alkohol), und auch dafür sitzt man in Hallein an der richtigen Quelle. In Kaltenhausen bei Hallein steht die älteste Weißbierbrauerei Österreichs. Seit 1475 braut das Hofbräu Kaltenhausen, und wer denkt, das sei eine dieser verstaubten Traditionsadressen, irrt sich. Von Kellerbier bis Maronibier – es sind hopfige Spezialitäten, die zeigen, dass Tradition und Neugier einander nicht ausschließen. Und dann die Cafés: klein, charmant, in Seitengassen versteckt oder an mittelalterlichen Plätzen.
In Hallein sitzt man draußen, bis es nicht mehr geht, und manchmal noch ein bisschen länger.
Der größte gemeinsame Nenner
Alle 16 Kleinen Historischen Städte Österreichs haben ihren Charme – von Freistadt bis Radstadt und von Schärding bis Steyr. Was diese Orte verbindet, ist kein gemeinsamer Stil und keine gemeinsame Epoche. Es ist ihr Charme. Geschichte und Gegenwart liegen hier wie selbstverständlich nebeneinander, man ist stolz auf die Geschichte der Stadt und trotzdem offen und neugierig, was ihre Zukunft bringen wird. Es sind Städte, die in Erinnerung bleiben. Wie Hallein.
Fotocredits: © TVB Hallein/Wedenig




