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Hallein hautnah – Stadtgeflüster und geheime Wege

Wer Hallein nur vom Vorbeifahren kennt, ahnt nicht, welche Geschichten sich zwischen Kopfsteinpflaster und barocken Fassaden verbergen. Einst durch den Salzabbau reich geworden, ist Hallein heute ein Ort voll leiser Kontraste: Hier trifft Tradition auf Moderne. Festivals finden vor der Kulisse historischer Gebäude statt, die Salzach rauscht an der Keltenstadt vorbei und in den kleinen Gassen der Altstadt können Besucher Ruhe finden.
Wer die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Hallein und Umgebung – wie beispielsweise das Keltenmuseum, das Stille-Nacht-Museum und die Salzwelten – bereits kennt oder ohnehin lieber abseits der Menschenmengen unterwegs ist, kann in Hallein dennoch einiges entdecken. Wir nehmen euch mit auf eine Spurensuche durch das unbekanntere Hallein und zeigt euch neue Seiten der malerischen Stadt.
Legenden über Hallein
Um viele alte Städte ranken sich Legenden, so gibt es auch zu Hallein spannende Geschichten zu erzählen.
Die Barmsteine als Sitz des Teufels
Wer sich Hallein nähert, kommt nicht umhin, die Barmsteine wahrzunehmen. Die beiden schroffen Berge wirken beinahe wie Felstürme. Sie prägen das Panorama rund um Hallein und sind auch als „Halleiner Ohrwaschln” bekannt. Eine Legende besagt, dass kein Geringerer als der Teufel vor langer Zeit für ihre spezielle Form verantwortlich war. Einst soll er quer über dem unversehrten Felsmassiv gelegen haben, als tief unten im Tal eine Prozession vorüberzog. Dieses Zeichen des Glaubens erzürnte ihn so sehr, dass er wütend mit seinen Klauen in den Fels grub – so lange, bis dieser mit einem gewaltigen Riss entzwei brach.
Tipp: Die Wanderung auf die „Bamstoana“ ist kurz aber knackig und eignet sich auch ideal als schnelle Wanderung nach Feierabend. Oben werdet ihr mit einem beeindruckenden Panoramablick auf Hallein, das Salzburger Land sowie das Berchtesgadener Land im angrenzenden Bayern belohnt.
Die Halleiner Zeiserlfänger
Nachdem wir die kleine Wanderung auf die Barmsteine geschafft haben, spazieren wir nun durch die Keltenstadt. Wir gehen die Salzach entlang, an den alten Salinen und dem modernen Keltenmuseum vorbei. Kleine Gassen winden sich weiter hinein ins Herz der Altstadt, vorbei an der Keltenbuchhandlung in der Thunstraße, einladenden Restaurants und bunt gestalteten Schaufenstern. Schon bald erreichen wir den Mathias-Bayrhamer-Platz. Er entstand im 17. Jahrhundert, als das Sudhaus Werch abgerissen wurde. Auf dem Platz steht der bekannte „Zeiserlbrunnen“, der nach der Legende rund um die Halleiner „Zeiserlfänger“ benannt ist und an eine amüsante Begebenheit erinnert.
Doch wie geht die Geschichte nun eigentlich? Einer Überlieferung zufolge hielt die Frau eines Halleiner Bürgermeisters einst einen Zeisig als Haustier. Eines Tages vergaß sie jedoch, die Käfigtür zu schließen, und der kleine Vogel flog davon. In ihrer Sorge ließ sie daraufhin alle Stadttore schließen, um zu verhindern, dass der Zeisig die Stadt verließ. Eine Geschichte, die zum Schmunzeln bringt und die der Bildhauer Jakob Adlhart im „Zeiserlbrunnen“ künstlerisch festgehalten hat.
Geheime Orte in Hallein: Peterskapelle und Benediktschlössl
Vom Mathias-Bayrhamer-Platz gehen wir über den Unteren Markt und die beschauliche Augustinergasse bis zum Antoniusweg, welcher auch als „Alte Dürrnbergstraße“ bekannt ist. Der Name „Antoniusweg“ stammt übrigens vom heiligen Antonius, dem Schutzpatron der nahe gelegenen Stadtpfarrkirche und der Stadt Hallein.
In unmittelbarer Nähe, und nur eine Gehminute vom weltberühmten Stille-Nacht-Museum entfernt, liegt die Peterskapelle. Sie ist denkmalgeschützt und die einzige Doppelkapelle in Salzburg, denn sie verfügt über zwei übereinanderliegende Sakralräume. Das historische Bauwerk stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Im Obergeschoss der Kapelle erwarten Besucher barocke Fenster, Holzdielen, die originale Raumschale sowie ornamentale Secco-Malereien aus dem 18. Jahrhundert. Etwas geheimnisvoll: Eine bislang verschlossene Nische wurde vor rund einem Jahr zum ersten Mal geöffnet. Dort fand man eine Inschrift mit dem Namen des früheren Halleiner Pfarrers Nikolaus Daval.
Ein weiteres Schmuckstück Halleins befindet sich nur wenige Meter weiter, in der Krautgasse 9. Hier liegt das aus dem 16. Jahrhundert stammende (ebenfalls denkmalgeschützte) Benediktschlössl, auch bekannt als Lebzelterhaus. Im Erdgeschoss befinden sich Tonnengewölbe mit Stichkappen. Das Obergeschoss ist mit schlichten barocken Stuckdecken ausgestattet. Ein Raum ist besonders beeindruckend und wird vor allem die Herzen aller Historiker höher schlagen lassen. Denn dort können Besucher Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert, gegliedert in hochformatige Felder, bestaunen. Diese sind entweder marmoriert oder mit Grisaillenmalerei verziert, dargestellt werden Landschaften und idyllische Schäferszenen. Grisaillenmalerei ist übrigens ein Maltechnik bei der nur mit Schwarz, Weiß und Grautönen gearbeitet wird.
Knappensteig: der Weg zum Salzabbau
Rund 20 Minuten Gehzeit trennen uns jetzt noch vom Knappensteg – über diesen schmalen Steg haben die Knappen einst den Weg zum Salzbergwerk am Dürrnberg erklommen. Der Steig führt steil den Berg hinauf, über eine gewisse Trittfestigkeit solltet ihr auf jeden Fall verfügen, wenn ihr den schmalen Steig begehen wollt. Aber auch ohne, dass man den Berg erklimmt ist der Knappensteg einen Abstecher wert. Denn bei seinem Anblick kann man sich mühelos in in jene Zeit zurückversetzen, in der der Salzabbau das Leben in der Region prägte und bekommt so ein besseres Gefühl für die geschichtsträchtige Umgebung.
Habt ihr nun Lust bekommen die unbekannteren Seiten Halleins zu entdecken? Dann zieht entweder auf eigene Faust los, immer der Nase nach! Oder bucht eine der vielen Stadtführungen!
Bildcredits: © TVB Hallein/wildbild